Die App macht Kasse

Bild: Casio
Moderne Kassen sind wahre Multitalente. Sie managen Kunden-, Reservierungs- und Verkaufsdaten, organisieren die Warenwirtschaft und sorgen für eine ansprechende Präsentation. Immer neue Geräte mit immer mehr Features drängen auf den Markt. Und mittlerweile gibt es einen weiteren, revolutionären Trend: Die App als vollwertiges Kassensystem.
Der Frühling steht vor der Tür. Und damit für die Gastronomen auch der Saisonstart. Wer über einen Biergarten oder eine Terrasse verfügt, sollte spätestens jetzt mit dem Frühjahrsputz beginnen und sich um das passende Freiluft-Ambiente kümmern.
Doch nicht nur saubere Tische und Markisen entscheiden über den geschäftlichen Erfolg oder Misserfolg. Auch der Einsatz des passenden Kassensystems kann die Effizienz deutlich erhöhen. Moderne Mobilgeräte, die in Form und Größe an iPads oder iPods erinnern, haben Stift und Schreibblock bei der Aufnahme der Bestellung längst abgelöst. Dem Kellner bleibt nicht nur die ständige Lauferei zwischen Tischen und Hauptkasse erspart. Er kann sich auch intensiver um seine Gäste kümmern.
Der Datenaustausch zwischen Mobil- und Festgeräten erfolgt je nach System per W-LAN, UMTS oder auch Bluetooth. Gerade bei größeren Arealen ist es daher wichtig, dass die mobilen Geräte auch ohne Funkverbindung jederzeit voll funktionsfähig bleiben, weiß Thomas Stümmler, Vertriebsvorstand der Vectron Systems AG mit Sitz in Münster.
Vor dem Kauf steht die Beratung
Wer sich umschaut, wird schnell erkennen: Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl an EDV- und Kassensystemen, die Verkauf, Warenwirtschaft, Produktion, Kalkulation und zunehmend auch Online-Services wie Kundenbindungsprogramme miteinander vernetzen. Im Vordergrund steht natürlich immer die Zuverlässigkeit. Zudem muss die Bedienbarkeit und Handhabung der Geräte auch im hektischen Tagesgeschäft einfach und schnell erlernbar sein. Die meisten Systemhäuser bieten Schulungen und Support vor Ort, via Internet oder Telefon an. Auch die Programmierung, Installation, Wartung und Reparatur sollte zum Leistungsspektrum eines Kassensystemhauses gehören. Die meisten haben überdies mehrere renommierte Marken im Programm. Jeder Gastronom sollte sich vor der Anschaffung eines neuen Kassensystems also genau überlegen, welche Ausführung für seine speziellen Bedürfnisse angemessen ist. Anbieter und Hersteller von Kassensystemen sollten demgegenüber fair und kompetent beraten.
Mobile Geräte liegen im Trend
Eigens für den harten Einsatz im Gastronomiealltag wurden die Hybridkassen Vectron POS MobileXL und die Vectron MobilePad entwickelt. Beide haben ein Gehäuse aus robustem Magnesium, sind unempfindlich gegen Spritzwasser und leicht zu reinigen. Für den mobilen Einsatz werden die Systeme mit einem Handgriff von der Dockingstation getrennt und mit zum Gast genommen, wo die Bestellungen direkt am Tisch eingegeben werden. Praktisch ist der mobile Einsatz laut Hersteller auch bei Inventureingaben. Durch die direkte Eingabe entfällt das Vornotieren auf einem Zettel. Übertragungsfehler werden so vermieden. Mit ihrem 21,3 cm/8,4“ großen Display ist die POS MobilePad die mit Abstand größte Kasse aus dem Hause Vectron. Wie ihre kleinere Schwester POS Mobile XL bietet auch sie zahlreiche Schnittstellen für Peripheriegeräte wie Drucker, Tastatur oder Kassenschublade. Eine optionale Netzkamerafunktion ermöglicht es zudem, alle Gastbereiche im Blick zu haben. Bei dieser Funktion werden die in den Räumlichkeiten installierten Kameras per LAN in das Kassennetzwerk integriert. So wird sicher gestellt, dass keine Gäste übersehen werden. Dies bietet sich besonders an, wenn die Bereiche weit entfernt sind, zum Beispiel eine Kegelbahn im Keller der Lokalität. Vectron-Kassensysteme sind bei mehr als 250 Fachhandelspartnern in 28 Ländern erhältlich. Zu den seit Jahren zufriedenen Anwendern gehört Wolfgang Kanig, Direktor im Ringberg Hotel im thüringischen Suhl. Das einstige DDR-Ferien- und Erholungsheim hat sich als Tagungs- und Urlaubshotel über Deutschland hinaus einen guten Namen gemacht. Zahlreiche Auszeichnungen und Zertifikate dokumentieren den hohen Qualitäts- und Serviceanspruch des 290-Zimmer-Hauses, das eine überdurchschnittlich hohe Auslastung von 60 Prozent vorweist. Das Vectron-System, so Kanig, habe sich bestens bewährt. „Wir konnten den Gästen mehr Dienstleistung anbieten, den Umsatz steigern und gleichzeitig unsere Mitarbeiter entlasten.“ Die robusten Geräte seien für die Anforderungen in der Gastronomie bestens geeignet. Zudem seien Kosten für Lizenz- und Wartungsverträge geringer als zuvor.
iPad statt Pappkarte
In Japan und den USA ist es längst ein Trend, der jetzt auch in einigen deutschen Restaurants Einzug hält: die iPad Speisekarte. Die Gäste bedienen das iPad selbst, wählen Vor- und Hauptspeise, Dessert und Getränke und schicken ihre Bestellung direkt in die Küche. Im Kameha Bonn ist es sogar möglich, mittels Live-Stream einen Blick in die Küche zu werfen. Vier Kameras übertragen die Arbeit der Köche in Echtzeit. Auch im Düsseldorfer Restaurant Okinii erhalten die Gäste iPads, auf denen sie Speisen und Getränke ansehen und bestellen können. Bei der Menüführung wurde auf eine einfache Bedienbarkeit geachtet, so dass auch Gäste, die selbst kein iPad oder iPhone besitzen, keine Probleme damit haben. Falls doch: das Servicepersonal steht den Gästen hilfreich zur Seite. Selbst ist der Gast auch im Eat-Life-Kitchen in der Münchner Luisenstraße. Die iPads sind hier in den Tischen eingelassen. Im Idealfall soll die Anwendung vor allem das Servicepersonal entlasten und den Gästen Spaß machen. Eine Menu-App für das iPad bietet beispielsweise die Hypersoft GmbH. Der Hamburger Anbieter von Kassen- und EDV-Systemen hat daneben auch eine Takeaway-App, eine Menu-App und eine Roomservice-App für Hotels in seinem Programm. Die Apps können mit jedem vorhandenen Kassensystem kombiniert und in einigen Systemen sogar nahtlos integriert werden, heißt es aus der Hansestadt.
Günstiger als herkömmliche Systeme
Auch Newcomer Orderbird, ein Start up-Unternehmen aus Berlin,setzt auf iPad-Kassensysteme für die Gastronomie. Mit Erfolg: Das Geschäftsmodell Orderbird POS gehört zu den 12 besten Ideen des enable2start-Gründerwettbewerbs 2012. Das Kassensystem für das mobile Apple-Betriebssystem iOS ist über die Hälfte günstiger als herkömmliche Gastronomiesysteme. Pilotkunde für den Bestellservice per iPad und iPhone war das P1 in München. Derzeit arbeiten bundesweit bereits über 100 Betriebe mit dem System.
Das Orderbird-System besteht aus drei Komponenten: Hardware, Software und Service. Die Hardware (also das, was früher die stationäre Kasse war) kommt von Apple (iPod, iPhone oder iPad). Um daraus eine „Orderbird POS“ zu machen, muss eine App aus dem App-Store installiert werden. Zusammen mit dem kostenpflichtigen Orderbird-Starterpaket, das Netzwerk, Drucker und Software-Backup beinhaltet, wird daraus dann eine voll funktionsfähige Funk-Kasse.
„Unser innovatives Kassensystem ist einfach zu installieren, besticht dank modernster Apple Technologie durch leichte Bedienbarkeit und macht Funkbonieren, Kassieren und Abrechnen auch für die kleine Gastronomie erschwinglich“, so Orderbird-Mitbegründer Patrick Brienen. „Mit nur wenigen Eingaben auf dem Touchscreen nimmt der Kellner die Bestellung des Gastes am Tisch auf. Per verschlüsseltem WLAN schickt er sie direkt an ausgewählte Bondrucker, die an unterschiedlichen Standorten positioniert sein können. Und während der Kellner sich weiter um seine Gäste kümmert, beginnt der Koch oder der Barkeeper mit der Zubereitung.“
Durch die App bietet Orderbird der Gastronomie noch weitere Vorteile: Mittels drahtloser Anbindung ans Internet werden die Daten direkt in ein geschütztes Dashboard übertragen. Auf dieses Dashboard kann der Gastronom jederzeit und von praktisch jedem Ort zugreifen. Die Funktionen im Dashboard will Orderbird kontinuierlich weiterentwickeln. „Der moderne Gastronom kann in naher Zukunft mit unserem System Schichtpläne erstellen, Arbeitszeiten verwalten, unterschiedliche Filialen koordinieren oder Auswertungen an seinen Steuerberater übermitteln. An diesen Features arbeiten wir derzeit mit Hochdruck“, erklärt Produktmanager Bastian Schmidtke.
Service bleibt das A und O
Markus Aehling, Account Manager Gastronomie bei Micros Fidelio, sieht beim Einsatz mobiler Kassen, Bestellterminals und Apps sowohl Chancen als auch Risiken: „Das Servicepersonal“, so Aehling, „kann während des gesamten Bestellvorgangs den Gast individuell beraten und ihm Empfehlungen geben.“ Oftmals könne durch gezielte Fragestellungen der Umsatz pro Gast signifikant erhöht werden. Wichtig sei jedoch, dass die einzelnen Prozesse perfekt aufeinander abgestimmt seien, damit sich Gast und Kellner gleichermaßen zur Nutzung animiert fühlten. Hier sieht man bei Micros Fidelio in den Betrieben oftmals noch erhebliche Defizite. „Das Gleichgewicht zwischen innovativer Technik und individuellen Gästeservice muss erhalten bleiben“, erklärt der Experte. Exzellenter Gästeservice werde auch in Zukunft das A und O sein. Nur mit dem Unterschied, dass dieser von innovativer Technik unterstützt werde.
Aus: Hessische Gastronomie 03/2012
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